BaFin will Ratingkontrolle mit Biss
Die Ratingagenturen stehen im Kreuzfeuer der Kritik: Durch zu lasche Kontrollen und zu gute Bonitätsnoten haben sie aus Sicht vieler die Finanzkrise mit ausgelöst. BaFin-Chef Jochen Sanio spricht sich im FTD-Interview für ein Kontrollgremium aus, dass keine „Truppe zum Kaffeetrinken“ sein soll.
Die deutsche Finanzaufsicht BaFin spricht sich für ein internationales Überwachungsgremium für Ratingagenturen mit weit reichenden Eingriffsrechten aus. Nur so kann nach Einschätzung von BaFin-Chef Jochen Sanio sichergestellt werden, dass die Bonitätsprüfer den freiwilligen Verhaltenskodex, der on der Organisation Internationaler Wertpapieraufseher (Iosco) erarbeitet wurde, wirklich umsetzen
Quelle: FTD vom 30.05.2008
BaFin fordert Kontrolle der Rating-Agenturen
Eine Schlüsselstellung in der Krise weist Sanio den Rating-Agenturen zu.
Auch die Aufsicht müsse sich bei der Analyse der Risikosituation einer Bank auf Ratings verlassen können. Ratings die sich im Nachhinein als Phantasieprodukte erweisen, sind deshalb auch für die Aufseher ein Desaster.
Der Draghi-Report fordere, schnellstmöglich dafür zu sorgen, dass alle Marktteilnehmer der Qualität, Beständigkeit und Integrität der Ratings wieder vertrauen könnten. Die Internationale Organisation der Wertpapieraufseher (Iosco) habe ihren Verhaltenskodex für Rating-Agenturen überarbeitet und wolle ihn Ende Mail veröffentlichen. Die Ratingagenturen müssten die Iosco-Regeln noch in 2008 übernehmen und sich dann auch entsprechend verhalten. Sollten sie sich dem neuen Kodex verweigern, müssten sie in aller Öffentlichkeit gebrandmarkt werden. Dies setze voraus, dass eine unabhängige Instanz überwacht, ob Rating-Agenturen die an sie gerichteten verschärften Anforderungen umsetzen und einhalten.
Quelle: Versicherungswirtschaft Heft 11/2008
Der Bundesverband der Ratinganalysten und Ratingadvisor (BdRA) begrüßt den Vorschlag der Europäischen Kommission, einen verlässlichen rechtlichen Rahmen für Ratingagenturen zu schaffen. Der Verband sieht darin geeignete Maßnahmen, die zur Bewältigung der Finanzkrise beitragen können, in dem wichtige Voraussetzungen geschaffen werden, um das Vertrauen des Marktes wiederherzustellen und den Anlegerschutz zu gewährleisten.
Seit Gründung des Vereins setzt sich der BdRA für die Einhaltung ethischer und fachlicher Mindestanforderungen durch Ratingagenturen und ihre Analysten sowie durch Ratingadvisor ein. Alle Mitglieder des Berufsverbandes verpflichten sich schon im Rahmen ihrer Mitgliedschaft, seit 1999 gültige Grundsätze des Unternehmensratings anzuerkennen und einzuhalten. Diese stellen hohe qualitative Anforderungen an die Unabhängigkeit, Neutralität, Transparenz und Ordnungsmäßigkeit von Ratings.
Der Bundesverband hat sich stets für das Prinzip der Freiwilligkeit eingesetzt, sich den strengen Grundsätzen im Rating zu unterwerfen. In gleicher Überzeugung hat auch die Internationale Organisation der Wertpapieraufsichtsbehörden, Iosco, gehandelt, indem sie einen internationalen, freiwillig einzuhaltenden Verhaltenskodex aufgestellt hat. Diese Form der Regulierung führte aber im Ergebnis nicht dazu, dass die Ratingagenturen die Investoren über die tatsächlichen Risiken informierten. Dies ist insbesondere auf methodische Schwächen bei der Einschätzung künftiger Risiken zurück zu führen. Aus diesem Grund schrieb die Europäische Kommission den beteiligten Ratingagenturen Mitverantwortung für das Entstehen und das Ausmaß der Finanzkrise zu. Die von den nationalen Regierungen erwartete und von der EU-Kommission angestrebte gesetzliche Regulierung von Ratingagenturen erscheint daher auch dem Bundesverband als unvermeidbare Konsequenz auf die offen gelegten Schwächen.
Dem Bundesverband ist die Qualifikation der Ratinganalysten ein besonderes Anliegen. Ratings sind qualitativ nur so gut wie die Analysten, von denen sie erstellt werden. Daher kommt es auf die Qualifizierung und Prüfung von Ratinganalysten an. Der BdRA setzt sich daher dafür ein, für besonders geprüfte Ratinganalysten eine gesetzlich geschützte Bezeichnung „Certified Rating Analyst (CRA) als europaweites Gütesiegel zu schaffen.
Quelle: Kredit- und Ratingpraxis 6/2008
Mitglied im Bundesverband der Ratinganalysten & Ratingsadviser e.V., sowie Deutsches Institut zur Zertifizierung im Rechnungswesen e.V.